Der WeAreDevelopers World Congress 2026 fand vom 8. bis 10. Juli im CityCube Berlin statt, auch wir waren dabei. Wer das Programm durchging, fand kaum einen Vortrag ohne künstliche Intelligenz. Das allein überrascht niemanden mehr.
Interessanter ist, in welche Richtung sich die Diskussion bewegt hat. Vor ein paar Jahren ging es noch darum, wie viel Code eine KI schreiben kann. In Berlin ging es vor allem darum, wer diesen Code versteht, prüft und verantwortet.

Was hat sich bei KI in der Entwicklung verändert?
Aus Werkzeugen, die einzelne Zeilen vervollständigen, sind Agenten geworden, die ganze Aufgaben übernehmen. Sie planen, schreiben Code über mehrere Dateien hinweg, führen Tests aus und legen das Ergebnis zur Freigabe vor.
Vom Assistenten zum Agenten
Thomas Dohmke, früher Chef von GitHub und heute Mitgründer des Start-ups Entire, hat diese Entwicklung in seiner Keynote „The Agentic Assembly Line" zugespitzt. Seine These: Der gewohnte Ablauf aus Planung, Umsetzung, Test und Auslieferung löst sich auf, weil Agenten diese Schritte zunehmend selbst übernehmen. Dasselbe Prinzip verändert gerade auch den Handel, wo Agenten im Auftrag von Kunden einkaufen.
Wie schnell das ging, zeigte Dohmke an seiner eigenen Geschichte mit dem Kongress. 2022 stellte er an gleicher Stelle eine Autovervollständigung vor, 2023 kam der Chat, 2024 die Bearbeitung mehrerer Dateien und ein erster Agentenmodus, 2025 schließlich eigenständige Agenten. Vier Jahre von der vorgeschlagenen Codezeile bis zum Agenten, der ganze Aufgaben abarbeitet. Entsprechend breit war das Programm: Agenten, die Bewertung von KI-Ergebnissen, Plattform-Engineering und der sichere Einsatz von KI standen nebeneinander.
Warum wird Prüfen zur Kernaufgabe?
Weil Geschwindigkeit ohne Kontrolle nur mehr Fehler in kürzerer Zeit bedeutet. Je mehr Code eine Maschine erzeugt, desto wichtiger wird die Frage, ob er tut, was er soll.
Mehr Code heißt nicht besserer Code
Auffällig viele Programmpunkte drehten sich genau darum. Eine Session trug den Titel „You don't need to write the code. You need to become a verification architect and prove it's correct". Formate wie „Let's Talk Quality!" oder ein Workshop unter dem Motto „Trust, but Verify" zielten in dieselbe Richtung. Die Rolle der Entwickler verschiebt sich vom Schreiben zum Prüfen: Anforderungen präzise formulieren, Ergebnisse testen, Architekturentscheidungen treffen, die eine Maschine nicht überblickt.
Für die Qualität eines Projekts heißt das: Tests, Reviews und eine saubere Struktur verlieren nicht an Bedeutung, sie gewinnen. Wer KI nutzt und bei diesen Grundlagen spart, ist nicht schneller fertig. Er ist schneller mit dem Falschen fertig.
Welche Rolle spielt Sicherheit?
Eine größere als bisher. Agenten lesen und ändern Dateien, installieren Pakete und führen Befehle aus. Damit entstehen Angriffsflächen, die es bei einem Werkzeug zur Codevervollständigung nicht gab.
Agenten brauchen Grenzen
Sichere Software und der sichere Einsatz von KI waren eigene Schwerpunkte im Programm. Sicherheit wird dabei nicht nachträglich ergänzt, sondern ist die Voraussetzung dafür, dass Agenten überhaupt produktiv arbeiten dürfen. Wer ihnen Zugriff auf ein System gibt, muss vorher festlegen, was sie dürfen und was nicht.
Für Onlineshops ist das keine abstrakte Frage. Dort liegen Kundendaten, Bestellungen und Zahlungsprozesse. Ein Agent, der im Code eines Shops arbeitet, braucht dieselben klaren Rechte wie ein neuer Mitarbeiter: Zugriff nur auf das, was er für seine Aufgabe braucht.
Was heißt das für Web- und Shopprojekte?
Die Umsetzung wird schneller, die Verantwortung bleibt dieselbe. Ob Onlineshop, Schnittstelle oder Frontend: Jemand muss wissen, warum der Code so aussieht, wie er aussieht. Und jemand muss dafür geradestehen, wenn etwas schiefgeht.
Die Verantwortung bleibt beim Menschen
Gerade in der Individualentwicklung zeigt sich das deutlich. KI-Werkzeuge verkürzen Routinearbeit spürbar, doch die entscheidenden Fragen stellt weiterhin ein Mensch: Welche Anforderung steckt hinter dem Wunsch? Welche Folgen hat eine Änderung für das Gesamtsystem? Und was passiert beim nächsten Update?
Für Auftraggeber verschiebt sich damit etwas Grundsätzliches. Klar formulierte Anforderungen waren schon immer wichtig. Wenn ein Agent sie wörtlich umsetzt, werden sie entscheidend, denn eine unscharfe Vorgabe führt jetzt schneller zu einem Ergebnis, das niemand wollte.
Auch der laufende Betrieb wird dadurch nicht einfacher. Code, der schneller entsteht, muss genauso sorgfältig gepflegt, abgesichert und aktualisiert werden, das bleibt Aufgabe der Betreuung. Die kurze Antwort von WeAreDevelopers 2026 lautet deshalb: KI schreibt den Code. Verstehen muss ihn weiterhin ein Mensch.
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