Seit einigen Monaten taucht im Checkout deutscher Onlineshops ein Name auf, den viele noch nicht einordnen können: Wero. Der Ticketanbieter Eventim hat die Zahlart als erster deutscher Onlineshop angeboten, inzwischen sind Lidl, Decathlon und mehrere große Versandhändler dazugekommen. Wer selbst einen Shop betreibt, stellt sich nach der zweiten oder dritten Begegnung eine naheliegende Frage: Sollten wir Wero im Onlineshop auch anbieten?
Wer das will, kann es meist noch nicht. Bisher hat nur ein einziger Zahlungsdienstleister Wero flächendeckend im Programm, die übrigen peilen die zweite Jahreshälfte an oder nennen gar kein Datum. Und wo Wero verfügbar ist, bleibt es nicht bei einer zusätzlichen Auswahl im Checkout. Erstattung, Bestellstatus und der Abgleich mit der Warenwirtschaft ändern sich mit.

Was ist Wero?
Wero ist eine europäische Bezahllösung, bei der direkt vom Girokonto des Kunden auf das Konto des Händlers gezahlt wird, über SEPA-Echtzeitüberweisung und in Sekunden. Weder eine Kreditkarte noch ein Konto bei einem Anbieter sind nötig. Hinter Wero steht die European Payments Initiative, ein Zusammenschluss europäischer Banken.
Kontozahlung statt Karte oder Wallet
Gestartet ist Wero 2024 als Dienst für Überweisungen zwischen Privatpersonen, in Deutschland, Frankreich und Belgien. Die Funktionen für den Onlinehandel kamen ab Herbst 2025 schrittweise dazu. Der Kunde wählt Wero im Checkout und bestätigt die Zahlung in der App seiner Bank oder in der Wero-App. Weil Kartennetz und Zwischenstellen entfallen, liegen die Kosten je Transaktion spürbar unter denen von Kreditkarte oder PayPal. Für Kunden ist die Zahlungsmethode kostenlos.
Wo kann man mit Wero bezahlen?
Eine offizielle, laufend gepflegte Händlerliste gibt es nicht. Wero selbst empfiehlt, im Checkout auf das Symbol zu achten. Der Stand ändert sich außerdem ständig, jede Aufzählung ist deshalb eine Momentaufnahme.
Von Eventim bis dm
Nach Eventim sind unter anderem Lidl, Decathlon, BAUR, Quelle sowie Combi und MyTime aus der Bünting Gruppe dazugekommen. Hinzu kommen einige Fanshops von Fußballvereinen. IKEA Deutschland wurde als kommender Partner angekündigt. Jüngster großer Zugang ist dm, wo seit Ende August im deutschen Onlineshop mit Wero bezahlt werden kann.
Auf dieser Liste stehen ausschließlich Konzerne. Kleine und mittlere Shops fehlen bislang vollständig.
Welche Zahlungsanbieter bieten Wero schon an?
Bisher genau einer: VR Payment, der Dienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken. Dort gibt es fertige Plugins unter anderem für Shopware 6, Shopify, WooCommerce, Magento 2, JTL, PrestaShop, Gambio und PlentyONE, dazu ein Einstiegsangebot ohne monatliche Fixkosten im ersten Jahr.
Warum große Händler schneller sind als kleine
Alle anderen Dienstleister arbeiten daran, keiner ist fertig. Mollie ist seit Anfang des Jahres Mitglied der European Payments Initiative und nennt für Deutschland, Frankreich und Belgien die zweite Jahreshälfte, will die Umstellung aber erst nach der Ablösung von iDEAL angehen. Adyen ist Hauptmitglied der Initiative, hat für die gängigen Shopsysteme aber kein Datum genannt. Stripe, PAYONE, Unzer, Computop und Worldline haben Wero angekündigt, ohne konkret zu werden.
Die Konzerne auf der Händlerliste umgehen dieses Nadelöhr. Sie lassen ihre Zahlarten einzeln anbinden, mit eigenem Vertrag und eigenem Projektbudget. Wer dagegen die Standardanbindung seines Dienstleisters nutzt, bekommt Wero erst, wenn dieser es freischaltet.
Was ändert sich im Shop, wenn Wero dazukommt?
Ist die Zahlungsmethode freigeschaltet, beginnt die eigentliche Arbeit. Eine Kontozahlung läuft anders ab als eine Kartenzahlung. Das verschiebt die Reihenfolge im Bestellprozess.
Keine Rückbuchung, sondern eine neue Überweisung
Bei einer Kreditkartenzahlung lässt sich zwischen Reservierung und Einzug stornieren, ohne dass Geld geflossen ist. Bei Wero gibt es diesen Zwischenraum nicht. Die Überweisung ist ausgeführt, sobald der Kunde sie freigibt. Kommt eine Retoure zurück oder wird ein Posten storniert, gibt es keine Rückbuchung, sondern eine neue Überweisung in die Gegenrichtung, mit eigener Freigabe, eigener Bankverbindung und eigener Laufzeit. Wer Teilstornos bisher über die Kartenreservierung geregelt hat, braucht dafür einen anderen Weg. Auch der Kundenservice muss erklären können, warum eine Erstattung anders aussieht als gewohnt.
Die zweite Verschiebung betrifft den Zeitpunkt: Das Geld ist da, bevor die Bestätigungsmail raus ist. Das Statusmodell muss also eine Bestellung kennen, die bezahlt ist, ohne je offen gewesen zu sein. Der automatische Abgleich muss die Überweisung zuordnen können, sonst liegen Zahlungen ohne Bestellung und Bestellungen ohne Zahlung nebeneinander. Und die Übergabe an die Warenwirtschaft muss den Zahlungsstatus mitliefern, sonst wartet die Logistik auf eine Freigabe, die längst erteilt ist. Wie viel Aufwand darin steckt, entscheidet sich an der bestehenden Schnittstelle zwischen Shop und Warenwirtschaft.
Warum Wero mehr ist als eine Zahlart
Bleibt die Frage, warum sich der Aufwand lohnen sollte, wenn PayPal längst läuft. Zwei Antworten liegen auf der Hand, eine wirtschaftliche und eine strukturelle.
Der Punkt, an dem es um mehr geht als um Gebühren
Wirtschaftlich sprechen die Kosten für sich: Ohne Kartennetz und ohne zwischengeschaltete Anbieter bleibt je Transaktion mehr übrig. Ein Rückbuchungsrisiko wie bei der Kreditkarte gibt es ebenfalls nicht. Bei steigendem Volumen ist das kein Randposten mehr.
Strukturell geht es um etwas anderes. PayPal kommt in Deutschland auf rund 39 Millionen Nutzer, die European Payments Initiative nennt für Deutschland über 7 Millionen angelegte Konten. Der Abstand ist groß, doch entscheidend ist die Richtung. Zum ersten Mal steht eine Bezahlinfrastruktur bereit, die europäischen Banken gehört statt einem amerikanischen Konzern. Der gleiche Gedanke, der bei Hosting, Software und Daten längst geführt wird, erreicht damit auch die digitale Unabhängigkeit im Zahlungsverkehr.
Eine solche Infrastruktur entsteht nicht durch Absichtserklärungen, sondern dann, wenn genug Webshops die Zahlungsart anbieten. Für den eigenen Onlineshop bedeutet das zwei Schritte: Beim Zahlungsdienstleister nachfragen, ob und wann Wero kommt. Und vorher klären, was Erstattung, Bestellstatus und Warenwirtschaft dafür brauchen. Nicht die Zahlart entscheidet. Der Weg dahin.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder. Änderungen und Neuerungen bei Anbietern und Händlern sind jederzeit möglich.