
Ein Kern, zwei Produkte
Magento Open Source und Adobe Commerce laufen auf derselben Codebasis. Wer den einen kennt, findet sich im anderen sofort zurecht: gleiche Modulstruktur, gleicher Checkout, gleiches Templatesystem. Der Unterschied liegt nicht im Handelskern, sondern darin, was lizenziert ist, wer den Betrieb verantwortet und welche Zusatzdienste dazugehören.
Die Namen stiften dabei mehr Verwirrung als die Produkte selbst. Adobe hat Magento 2018 übernommen und die kommerzielle Linie 2021 in Adobe Commerce umbenannt. „Magento Commerce" und „Magento Enterprise Edition" sind damit historische Bezeichnungen. Der Name Magento lebt heute nur noch in einem einzigen Produkt weiter: Magento Open Source.
Magento Open Source
Magento Open Source ist kostenfrei und quelloffen unter der Open Software License 3.0. Der Betrieb läuft auf eigener Infrastruktur, damit liegen Hosting, Absicherung und Aktualisierung in der Verantwortung des Händlers oder seiner Agentur.
Der Funktionsumfang deckt den kompletten Handelskern ab: Katalog- und Produktverwaltung, Kunden, Bestellungen, Checkout, Preis- und Kundengruppenlogik, Mehrsprachigkeit, mehrere Verkaufsauftritte in einer Installation sowie REST- und GraphQL-Schnittstellen für die Anbindung an Warenwirtschaft, ERP und PIM.
Ein häufiges Missverständnis betrifft den Page Builder. Das Werkzeug für redaktionelle Inhalte per Baukasten gehört seit Version 2.4.3 zum Lieferumfang von Magento Open Source und ist nicht der kommerziellen Linie vorbehalten. Auch einzelne von Adobe gehostete Dienste stehen offen: Payment Services etwa ist ab Magento Open Source 2.4.4 kompatibel.
Die aktuelle Version ist 2.4.9, erschienen am 12. Mai 2026. Jede 2.4.x-Reihe erhält ab Erscheinen drei Jahre Support. Seit Januar 2026 liefert Adobe monatliche Sicherheitspatches, deren Bezeichnung sich am Erscheinungsmonat orientiert statt an einer fortlaufenden Patchnummer.
Adobe Commerce
Adobe Commerce ist die lizenzpflichtige Linie. Listenpreise veröffentlicht Adobe nicht, die Lizenz wird individuell kalkuliert und orientiert sich am Handelsvolumen.
Seit Juni 2025 gibt es die kommerzielle Linie in drei Ausprägungen:
- Adobe Commerce on Cloud als Platform as a Service mit eigener Instanz, Fastly-Auslieferung und Bereitstellungswerkzeugen. Adobe hat im März 2026 ausdrücklich bestätigt, dass für diese Variante kein Support- oder Lebensende geplant ist.
- Adobe Commerce as a Cloud Service als mandantenübergreifendes Software as a Service ohne manuelle Aktualisierungen, dafür ohne Eingriff in den Kern der Anwendung.
- Adobe Commerce Optimizer als aufsetzbare Schicht für Storefront, Katalogdienst und Merchandising vor einem bestehenden Backend, auch vor einem fremden.
Daneben besteht der Betrieb auf eigener Infrastruktur weiter.
Der inhaltliche Zugewinn gegenüber Magento Open Source liegt in den kommerziellen Erweiterungen und Diensten. Am schwersten wiegt der B2B-Baustein mit Firmenkonten, Rollen und Freigaben, Angebotsverhandlung, Bestellanforderungen und geteilten Katalogen. Er ist eine separat lizenzierte Erweiterung und ausschließlich für Adobe Commerce verfügbar. Dazu kommen Kundensegmentierung, zeitgesteuerte Inhalte mit Vorschau, erweitertes Reporting sowie die von Adobe Sensei gestützten Dienste für Suche und Produktempfehlungen.
Was das für die Entscheidung bedeutet
Die Frage lautet selten „welche Funktionen fehlen mir", sondern „wer betreibt die Anwendung und wie viel davon will ich selbst verantworten".
Magento Open Source trägt weit, wenn eine Agentur oder ein internes Team den Betrieb übernimmt und die Anforderungen an Preis-, Rechte- und Katalogstrukturen individuell umgesetzt werden. Der eingesparte Lizenzbetrag steht dann für Entwicklung und Anbindung zur Verfügung.
Adobe Commerce lohnt sich dort, wo der B2B-Baustein tatsächlich gebraucht wird, wo Adobe die Verantwortung für Verfügbarkeit und Aktualisierung übernehmen soll oder wo weitere Adobe-Anwendungen bereits im Einsatz sind. Wer die B2B-Funktionen dagegen aus Erweiterungen Dritter zusammenstellt und dauerhaft pflegen lässt, hat gegenüber der Lizenz nicht zwangsläufig gespart.
Beide Linien lassen sich später wechseln, weil der Kern derselbe bleibt. Daten, Anpassungen und Erweiterungen wandern mit, der Wechsel ist kein Neuaufbau.
Wir arbeiten mit Magento Open Source und begleiten Onlineshops von der Architektur über die Anbindung an vorhandene Systeme bis zur laufenden Weiterentwicklung. Welche Linie im konkreten Fall trägt, klären wir am Vorhaben und nicht am Datenblatt.