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EmpCo-Richtlinie: Was die EU-Regeln gegen Greenwashing für Onlineshops bedeuten

Inhaltsverzeichnis
  1. Was die EmpCo-Richtlinie verbietet — und was sie nicht verbietet
    1. Warum pauschale Umweltversprechen ohne Beleg zum Abmahnrisiko werden
  2. Warum Greenwashing-Compliance im Onlineshop ein Datenproblem ist
    1. Wie Reparierbarkeit, Haltbarkeit und Lieferoptionen aus dem Warenwirtschaftssystem in den Shop gelangen
  3. Wie Shopware, Shopify und Magento die neuen Pflichtangaben abbilden
    1. Shopware: Custom Fields und Rule Builder
    2. Shopify: Metafields und Metaobjects
    3. Magento: das EAV-Modell und Attributsets
  4. Was Onlinehändler bis zum 27. September 2026 prüfen sollten
    1. Warum die Bestandsaufnahme bei den Produktdaten beginnt
  5. Fazit

Ab dem 27. September 2026 gilt die EmpCo-Richtlinie verbindlich, in deutsches Recht überführt durch die UWG-Novelle vom Februar 2026. Die naheliegende Lesart ordnet sie dem Marketing und der Rechtsabteilung zu: ein Thema für Werbetexte, Siegel und Anzeigen. Die eigentliche Spannung liegt woanders. Die meisten betroffenen Umweltaussagen stehen nämlich nicht auf einer Kampagnenfläche, sondern tief in den Produktdaten — verteilt über tausende Artikel, gespeist aus Systemen, die kaum jemand im Tagesgeschäft öffnet.

Damit ist EmpCo weniger eine Frage der Formulierung als der Datenarchitektur. Wer die Umsetzung allein der Marketingabteilung überlässt, verkennt, an wie vielen Stellen im Shopsystem Umweltaussagen überhaupt entstehen. Was das für euren Shop bedeutet, entscheidet sich an drei Punkten: den Verboten selbst, den neuen Pflichtangaben und der Architektur, die beide ausspielt.

Eine Hand hält ein Blatt, dessen linke Hälfte vor rauchenden Industrieschloten verdorrt und dessen rechte Hälfte vor grüner Flusslandschaft frisch ist.
EmpCo-Richtlinie: Was die EU-Regeln gegen Greenwashing für Onlineshops bedeuten

Was die EmpCo-Richtlinie verbietet — und was sie nicht verbietet

Die EmpCo-Richtlinie verbietet keine Nachhaltigkeitskommunikation, sondern unbelegte Umweltaussagen. Untersagt sind ab dem Stichtag pauschale Umweltbegriffe wie „umweltfreundlich“ oder „grün“ ohne Nachweis einer anerkannten, hervorragenden Umweltleistung sowie selbst vergebene Nachhaltigkeitssiegel ohne unabhängige Zertifizierung. Verboten ist außerdem der Begriff „klimaneutral“, wenn er sich allein auf Kompensation stützt, ebenso wie Aussagen über das gesamte Produkt, obwohl nur ein einzelner Aspekt nachhaltig ist — zukunftsgerichtete Versprechen brauchen künftig einen konkreten, überprüfbaren Plan. Durchgesetzt wird das über Abmahnungen, Unterlassungsansprüche und Bußgelder von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes. Damit reiht sich EmpCo in eine Serie neuer Transparenzpflichten ein, die den Onlinehandel derzeit ohnehin verändern — vom Gewährleistungs- und Garantielabel bis zu den Umweltangaben.

Warum pauschale Umweltversprechen ohne Beleg zum Abmahnrisiko werden

Der entscheidende Unterschied zum alten Recht ist der Wechsel von der Einzelfallprüfung zum Per-se-Verbot. Wo früher ein Gericht prüfte, ob eine Aussage im konkreten Fall tatsächlich in die Irre führte, genügt künftig die fehlende Grundlage: Ein „grün“-Label ohne Beleg ist dann unzulässig, unabhängig davon, ob jemand getäuscht wurde. Belegbar bleiben konkrete, produktbezogene Aussagen — „100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen“ lässt sich nachweisen, „klimafreundliche Verpackung“ nicht. Wie weit diese Beweislast reicht, zeigte der Bundesgerichtshof bereits 2024: Im Streit um eine „klimaneutral“-Werbung war entscheidend, dass nicht offengelegt wurde, ob die Neutralität durch Vermeidung oder durch Kompensation erreicht wurde.

Warum Greenwashing-Compliance im Onlineshop ein Datenproblem ist

Greenwashing-Compliance ist im E-Commerce weniger eine Frage der Formulierung als der Datenhaltung — die meisten Umweltaussagen entstehen verteilt in den Produktdaten, nicht zentral auf einer Kampagnenfläche. Ein einzelnes Werbebanner ist in Minuten korrigiert. Ein Attribut wie „klimaneutral“, das aus dem PIM oder dem Warenwirtschaftssystem über tausende Artikel hinweg in Produktseite, Filter, Vergleichsfeeds und Trust-Badges gespiegelt wird, ist es nicht. Wer nicht nachvollziehbar weiß, an welchen Datenpunkten eine Aussage hängt, findet sie im digitalen Regal nicht verlässlich wieder.

Dazu kommt eine zweite Ebene: EmpCo entfernt nicht nur problematische Aussagen, sondern führt neue Pflichtangaben ein. Reparierbarkeit, Haltbarkeit, die Dauer zugesagter Software-Updates und umweltbezogene Lieferoptionen sind keine Werbebotschaften, sondern strukturierte Produktmerkmale. Gebündelter Versand oder die Zustellung per Lastenrad etwa müssen ausgewiesen werden, sobald ein Shop sie anbietet — eine Pflicht zur Angabe, keine Pflicht zum Angebot.

Wie Reparierbarkeit, Haltbarkeit und Lieferoptionen aus dem Warenwirtschaftssystem in den Shop gelangen

Diese Angaben liegen selten im Shop selbst, sondern in den vorgelagerten Systemen — im ERP, im PIM oder in der Warenwirtschaft. Ihren Weg in den Shop finden sie über Schnittstellen: Eine Update-Zusage, die der Hersteller verlängert, oder ein Siegel, das ausläuft, muss automatisch in der Produktseite ankommen, nicht in manueller Nachpflege versickern.

Der eigentliche Aufwand steckt nicht in der Anzeige eines einzelnen Werts, sondern darin, tausende davon konsistent und prüffest zu halten, während sich die Quelldaten laufend ändern. Viele mittelständische Händler führen ihre Artikeldaten in Systemen wie Büro+, Lexware oder SelectLine. Ob die neuen Pflichtangaben von dort zuverlässig und ohne Doppelpflege in den Shop gelangen, entscheidet sich an den Schnittstellen dazwischen.

Wie Shopware, Shopify und Magento die neuen Pflichtangaben abbilden

Alle drei Systeme bilden die neuen Pflichtangaben über strukturierte Produktattribute ab — der Unterschied liegt im Mechanismus, nicht im Ergebnis.

Shopware: Custom Fields und Rule Builder

Shopware hinterlegt zusätzliche Angaben wie Reparierbarkeit oder Update-Dauer über Custom Fields und das Eigenschaften-System. Die Ausgabe auf der Produktseite übernimmt die Template-Schicht; der Rule Builder steuert, welche Angaben je nach Sortiment oder Bedingung erscheinen.

Shopify: Metafields und Metaobjects

Shopify strukturiert dieselben Daten über Metafields und Metaobjects, ergänzt um Standarddefinitionen für wiederkehrende Felder. Ausgespielt werden sie über die Theme-Blöcke von Online Store 2.0, die einzelne Werte gezielt auf der Produktseite platzieren.

Magento: das EAV-Modell und Attributsets

Magento bringt mit seinem EAV-Modell und den Attributsets eine Struktur mit, die auf produktspezifische Merkmale ohnehin ausgelegt ist. Die Werte landen direkt in den Templates der Produktseite; der PageBuilder ergänzt erklärende Inhaltsblöcke.

Keines dieser Systeme pflegt die Daten von selbst — ein Attribut ist immer nur so verlässlich wie seine Quelle. Die Wahl der Plattform entscheidet deshalb weniger über die EmpCo-Konformität als die Frage, wie sauber Datenquelle und Onlineshop miteinander verbunden sind.

Was Onlinehändler bis zum 27. September 2026 prüfen sollten

Bis zum Stichtag sollten Händler ihre Umweltaussagen vollständig inventarisieren, jede einzelne gegen die EmpCo-Vorgaben prüfen und die Datenquelle der neuen Pflichtangaben klären. Das betrifft alle Flächen, auf denen solche Aussagen erscheinen: Produktseiten, Kategorietexte, Banner, Feeds, Newsletter und automatisch eingebundene Siegel. Jede Aussage wandert anschließend in eine von zwei Spalten — belegen oder entfernen. Dass sich eine gesetzliche Pflicht sauber in die Shop-Oberfläche übersetzen lässt, zeigt der Widerrufsbutton im Onlineshop, der denselben Weg von der Vorschrift zur konkreten Umsetzung bereits gegangen ist.

Der umgekehrte Reflex — im Zweifel lieber alles streichen — ist dabei nicht gefordert. Belegbare Aussagen bleiben erlaubt und behalten ihren Marktwert, denn viele Kunden bevorzugen im Zweifel Produkte mit glaubwürdigen Umweltinformationen. Die ergänzende Green-Claims-Richtlinie, die genau diese Belege strenger geregelt hätte, liegt seit Mitte 2025 auf Eis — geplant wird vorerst entlang von EmpCo, nicht entlang der GCD.

Warum die Bestandsaufnahme bei den Produktdaten beginnt

Ein fehlerhaftes Attribut bleibt selten allein — es verbreitet sich über den gesamten Katalog und sämtliche Feeds, bevor es jemand bemerkt. Ein Banner ist in Minuten geändert; eine Aussage, die als Attribut tief in den Produktdaten sitzt, deckt nur eine systematische Prüfung auf Datenebene auf. Wenn ihr heute nicht benennen könnt, an welchen Stellen euer Shop Umweltaussagen ausspielt, ist genau das die erste Aufgabe.

Fazit

EmpCo ist kein Panikthema. Die Richtlinie verbietet nicht, über Nachhaltigkeit zu sprechen, sondern unbelegt zu sprechen — und sie verschiebt die eigentliche Arbeit aus dem Marketing in die Datensysteme. Wer 2026 in Schwierigkeiten gerät, ist meist nicht der, der zu viel versprochen hat, sondern der, der nicht mehr nachvollziehen kann, wo in seinen Systemen diese Versprechen stecken.

Die Frist prüft am Ende nicht den Mut zur Nachhaltigkeitskommunikation. Sie prüft, ob ein Shop weiß, was er über sich behauptet.

Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Für die rechtliche Bewertung im Einzelfall sollte eine spezialisierte Fachkanzlei hinzugezogen werden.